IDS - Informationsverbund Deutschschweiz

Kapitel 2.1. Vorgehen

Die Schlagwortkatalogisierung umfasst die Analyse des begrifflichen Inhalts eines vorliegenden Dokuments und dessen Umsetzung in Schlagwörter. Die Inhaltsanalyse umfasst die einzelnen Schritte bei der intellektuellen Erfas- sung eines Dokumenteninhalts zum Zweck einer möglichst präzisen und spezifischen Inhaltserschliessung:

  1. Feststellen des Inhalts bzw. der inhaltlichen Schwerpunkte eines vorliegenden Dokuments, also der darin behandelten Gegenstände. Massgebend für die Wahl der Schlagwörter ist der Inhalt, nicht die jeweilige Titelfassung mit den sich daraus ergebenden Stichwörtern.
  2. Gewichtung und Auswahl der zu erschliessenden inhaltlichen Aspekte unter Berücksichtigung der Grundprinzipien der Schlagwortkatalogisierung.
  3. Ermittlung eines Einzelbegriffs oder mehrerer Begriffe, die den wesentlichen Inhaltskomponenten eines Dokuments entsprechen.
  4. Konsistente Erschliessung bezogen auf den Bestand der einzelnen IDS-Verbundbibliotheken.

Der Standpunkt oder die Weltanschauung des Verfassers / der Verfasserin wird im Allgemeinen nicht berücksichtigt. Er wird aber durch ein Schlagwort ausgedrückt, wenn er sich auf Methode und Thematik der vorliegenden Darstellung deutlich auswirkt. Die Sicht von Kirchen, Parteien und ähnlichen Körperschaften wird berücksichtigt, wenn es sich um eine Stellungnahme mit offiziellem bzw. repräsentativem Charakter handelt.
Die Zielgruppe des Autors / der Autorin wird bei der Erschliessung des Dokuments i.d.R. nur berücksichtigt, wenn dieser Aspekt einen wesentlichen Einfluss auf den Inhalt hat. Das Niveau der Darstellung wird nur angegeben, wo dies im Regelwerk ausdrücklich vorgesehen ist, z.B. mit den Formschlag-wörtern "Einführung", "Schulbuch", "Jugendsachbuch", "Lehrbuch" sowie bei der Beschlagwortung von Materialien für die Berufsausbildung.

Nicht erschlossen werden Dokumente sehr allgemeinen oder vermischten Inhalts und solche, die keinen bestimmten Gegenstand behandeln. Dazu können insbesondere Erbauungsliteratur, Gebetbücher, Gesangbücher, Kalender und Almanache allgemeiner Art, meditative Literatur, Sammlungen von Lebensweisheiten, Streitschriften ohne klar erkennbaren Inhalt u.ä. zählen.

Ältere Literatur und klassische Texte können nach den Bestimmungen dieses Regelwerks erschlossen werden. Eine Beschlagwortung erfolgt aus heutiger Sicht, d.h. für den heutigen Leser / für die heutige Leserin mit heutiger Terminologie, die allerdings rezipierte historische Begriffe einschliesst. Der Inhalt solcher Werke (unabhängig davon, ob es sich um die Originalausgabe, einen Reprint oder eine nicht überarbeitete Neuauflage handelt) ist gegen- über der Entstehungszeit unverändert. Es besteht jedoch vielfach ein verän- dertes Interesse, aus dem heraus das Werk heute gelesen wird: Es gibt Literatur, die heute unverändert relevant ist; andere Literatur wird heute unter veränderten Aspekten gelesen, als Quelle für einen bestimmten Stand der Sache oder der Forschung.

Für die Beschlagwortung heute überholter Literatur gelten die Gesichts-punkte, unter denen das Werk heute von Interesse ist. Der zeitliche Aspekt wird mit "Geschichte" und Jahreszahl oder durch ein anderes Zeitschlagwort ausgedrückt; i.d.R. wird das Formschlagwort "Quelle" hinzugefügt. Dies geschieht insbesondere, wenn ohne Zeit- und Formschlagwort ein unzu- treffender Eindruck über den Inhalt des Werks entstünde.